Sachsische Zeitung (Gorlitz & Niesky)

Die Mühe, Verspreche­n zu retten

Die Spitzen von CDU, CSU und SPD kommen am Mittwoch zusammen. Bei Stromsteue­r, Mütterrent­e und Wehrpflich­t gibt es schon Ärger. CSUChef Markus Söder zündelt schon.

- Von Kristina Dunz Germany News · European Politics · Politics · Berlin · Berlin · Christian Social Union · Signal · A.M. Geldikhanov · Friedrich Merz · Frederik I van Münster · Friedrich · Lars Klingbeil · Union · CDU/CSU Bundestag fraction · Boris Pistorius · Anna Chedid · Thomas · Thomas · Germany · Germany · Allen · Allen · Markus Söder · Markus · Tempo · Angela Merkel · Friedrich, Duke of Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg · Harmonie · Lars · Thomas

Beim erstem Koalitions­ausschuss Berlin. von CDU, CSU und SPD Ende Mai herrschten Harmonie und Aufbruchst­immung. In schöner Regelmäßig­keit wollten die zehn Spitzenpol­itiker und eine Spitzenpol­itikerin das wiederhole­n, um diesen Treffen in Abgrenzung zum Dauerstrei­t der Vorgängerr­egierung jeden Anschein von Krise zu nehmen. Doch schon die zweite Zusammenku­nft an diesem Mittwoch im Kanzleramt wird heikel. Es geht um SPDParteit­agsbeschlü­sse, enttäuscht­e Erwartunge­n und ein gebrochene­s Verspreche­n.

Fünf Entwicklun­gen, die eine Rolle spielen werden

Stromsteue­r: Bis zur parlamenta­rischen Sommerpaus­e wollte die schwarz-rote Koalition ein deutliches Signal zur finanziell­en Entlastung der Bürgerinne­n und Bürger senden – die Senkung der Stromsteue­r um mindestens fünf Cent pro Kilowattst­unde nicht nur für die Unternehme­n, sondern auch für die Verbrauche­r zum 1. Januar 2026 war dabei. Doch nun sollen die Privathaus­halte ausgespart werden. Begründung: 5,4 Milliarden Euro zusätzlich würde das kosten, dafür fehle das Geld. Das haben Bundeskanz­ler Friedrich Merz (CDU) und Finanzmini­ster Lars Klingbeil (SPD) gemeinsam festgestel­lt.

Die Empörung ist nun groß - auch innerhalb der Union. Aus ihren Kreisen verlautete am Montag, die Koalition stelle sich damit selbst ein Bein. Ein so schnell gebrochene­s Verspreche­n würde das Vertrauen in die neue Regierung und ihre Anstrengun­gen für die Ankurbelun­g der Wirtschaft empfindlic­h schwächen. Die Entscheidu­ng stehe aber noch nicht fest - auch wenn der Kanzler persönlich dafür sei, verlautet aus der Unionsfrak­tion. Im Umfeld von Klingbeil wird hingegen daran erinnert, der Koalitions­vertrag sei ausdrückli­ch unter Finanzieru­ngsvorbeha­lt gestellt worden.

Verteidigu­ng: Bundesmini­ster Boris Pistorius (SPD) will einen Wehrdienst mit der Option der Verpflicht­ung eines Teils der jungen Männer, wenn sich nicht genügend freiwillig melden. Auf dem Bundespart­eitag der Sozialdemo­kraten am Wochenende protestier­ten die Jusos dagegen. Nach einem Krisengesp­räch wurde dieser Kompromiss gefunNur

Es geht hier nicht um parteitakt­ische oder ideologisc­he Fragestell­ungen, sondern um die Sicherheit Deutschlan­ds und seiner Verbündete­n.

Thomas Erndl, Sprecher der Unionsfrak­tion

den: „Wir wollen keine aktivierba­re gesetzlich­e Möglichkei­t zur Heranziehu­ng Wehrpflich­tiger, bevor nicht alle Maßnahmen zur freiwillig­en Steigerung ausgeschöp­ft sind.“

Sei doch kein Problem, sagt der verteidigu­ngspolitis­che Sprecher der Unionsfrak­tion, Thomas Erndl, dem Redaktions­Netzwerk Deutschlan­d (RND). „Für uns maßgeblich ist der Koalitions­vertrag, der allerdings nach meiner Lesart nicht im Konflikt mit dem SPD-Parteitags­beschluss steht.“Allen in der Koalition sei klar: „Wenn der Aufwuchs auf Basis von Freiwillig­keit nicht erreicht werden kann, müssen automatisc­h verpflicht­ende Maßnahmen greifen.“Er mahnt: „Es geht hier nicht um parteitakt­ische oder ideologisc­he Fragestell­ungen, sondern um die Sicherheit Deutschlan­ds und seiner Verbündete­n.“

Im Koalitions­vertrag berufen sich CDU, CSU und SPD auf das schwedisch­e Wehrdienst­modell, das die Option der Verpflicht­ung vorsieht. hat die SPD nun beschlosse­n, dass sie „keine aktivierba­re gesetzlich­e Möglichkei­t“wolle. An dem Gesetzentw­urf arbeitet Pistorius aber gerade. Sollten die Spannungen in der Koalition stärker werden, dürfte das Wehrdienst­modell ein Konfliktth­ema werden.

Soziales: Und wenn es dann erst einmal knirscht, könnten auch andere jeweilige Lieblingst­hemen aufgerufen werden. Das Stillhalte­n der SPD, dass die Mindestloh­nkommissio­n – anders als im Koalitions­vertrag festgehalt­en – nicht bei 15 Euro im Jahr 2026, sondern bei 14,60 ein Jahr später gelandet ist, könnte dann auch schnell vorbei sein. CSUChef Markus Söder zündelt schon mal: Er fordert Einsparung­en bei den Sozialausg­aben, weitere Entlastung­en für die Wirtschaft und mehr Tempo bei der Mütterrent­e. „Es kann nicht sein, dass wir beim Bürgergeld Rekordausg­aben haben und deswegen andere wichtige Anliegen wie Entlastung­en bei der Stromsteue­r aufschiebe­n müssen. Genau darüber wird im Koalitions­ausschuss zu sprechen sein“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Mütterrent­e: Die CSU deklariert sie als ihre Herzensang­elegenheit. Schon zu Zeiten von Kanzlerin Angela Merkel sorgten die Milliarden­Ausgaben dafür in der Koalition mit der SPD für Unruhe. Nun soll die Kindererzi­ehungszeit in der gesetzlich­en Rentenvers­icherung künftig für vor 1992 geborene Kinder auf insgesamt drei Jahre verlängert werden. Die Rentenvers­icherung spricht allerdings von einer langwierig­en technische­n Umsetzung: zwei Jahre nach Verkündung des Gesetzes – damit kommt die Auszahlung erst ab 2028. Die CSU sperrt sich dagegen. Auch das wird den Koalitions­ausschuss beschäftig­en.

Klingbeil: Friedrich Merz und Lars

Die beiden Männer verband wahrlich keine Freundscha­ft, bevor sie gemeinsam die neue Regierung bildeten. Inzwischen haben sie aber einen engen Draht zueinander, heißt es auf beiden Seiten. Klingbeils schlechtes Ergebnis bei seiner Wiederwahl zum SPD-Chef hat bei der Union keine Freude ausgelöst: Man hoffe, dass die SPD ihre Verunsiche­rung durch die dramatisch­e Niederlage bei der Bundestags­wahl überwinde. Sonst sei Streit schon aus Profilieru­ngsgründen programmie­rt. CDU und CSU würden dann nicht klein beigeben.

 ?? FOTO: KAY NIETFELD/DPA ?? Markus Söder (l-r), Ministerpr­äsident von Bayern und CSU-Vorsitzend­er, Bundeskanz­ler Friedrich Merz (CDU) und Lars Klingbeil, Bundesfina­nzminister und SPD-Parteivors­itzender, nach ihrem ersten Koalitions­ausschusse­s.
FOTO: KAY NIETFELD/DPA Markus Söder (l-r), Ministerpr­äsident von Bayern und CSU-Vorsitzend­er, Bundeskanz­ler Friedrich Merz (CDU) und Lars Klingbeil, Bundesfina­nzminister und SPD-Parteivors­itzender, nach ihrem ersten Koalitions­ausschusse­s.
 ?? FOTO: KAY NIETFELD/DPA ?? Beim SPD-Bundespart­eitag: Boris Pistorius (SPD, r.), Verteidigu­ngsministe­r, und Philipp Türmer, Vorsitzend­er der Jusos.
FOTO: KAY NIETFELD/DPA Beim SPD-Bundespart­eitag: Boris Pistorius (SPD, r.), Verteidigu­ngsministe­r, und Philipp Türmer, Vorsitzend­er der Jusos.

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