Sachsische Zeitung (Freital Dippoldiswalde & Osterzgebirge)

„Trump ist auf Putins Linie umgeschwen­kt”

Was folgt aus dem Treffen von Trump und Putin für die Zukunft der Ukraine und was kann Europa tun? Nötig sind schärfere Sanktionen, sagt Militärexp­erte Carlo Masala.

- Von Andrea Barthélémy U.S. News · US Politics · European Politics · Politics · Donald Trump · Donald · Chairmouse · Vladimir Putin · Alaska · Alaska · Alaska · Trump · Russia · Russia · Ukraine · guest · Limousine · Three Mobile · Man, West Virginia · Adolf Hitler · Länder · United States of America · Friedens, Pennsylvania · NATO · Krieg · Krieg · Friedrich Merz · Friedrich, Duke of Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg · Friedrich · European Union · Europe · Europa · Amar J.S. Klar · Trump family

Das Treffen von US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin in Alaska wird im Gedächtnis bleiben. Nicht nur, weil Trump den zuvor Geächteten auf die Bühne der internatio­nalen Politik zurückgeho­lt hat. Wenige Stunden nach dem Gipfel wird zudem klar, dass der US-Präsident ein weiteres Mal seine Meinung geändert hat: Anstelle des angekündig­ten massiven Drucks für einen Waffenstil­lstand schwenkt er um auf Putins Vorschlag – der will stattdesse­n ein umfassende­s Friedensab­kommen zwischen Russland und der Ukraine. Der Militärexp­erte Carlo Masala ordnet die Konsequenz­en ein.

Hat Sie die pompöse Inszenieru­ng überrascht, mit der Trump Putin begrüßt hat?

Vieles daran hat mich nicht überrascht, denn es war ein Staatsbesu­ch. Dass es da einen roten Teppich gibt, eine Koordinier­ung, wer wann aus den Flugzeugen aussteigt, und auch eine gemeinsame Pressekonf­erenz, ist nicht ungewöhnli­ch. Aber doch gab es einige sehr irritieren­de Dinge: Wenn ein amerikanis­cher Präsident seinem Gast Applaus klatscht und ihn in seiner Limousine mitnimmt. Auch das gesamte Treffen ist anders verlaufen als geplant: Statt Vier-Augen-Gespräch gab es ein Drei plus Drei. Man verzichtet­e auf die geplante größere Runde im Anschluss und auch auf das gemeinsame Mittagesse­n.

Trump hat Putin wie einen alten Freund begrüßt – mit einer gewissen Nähe …

Diese Nähe hat mich nicht überrascht. Denn wir wissen ja, dass Trump eine Faszinatio­n für Putin hat. Genauso wie für andere autoritäre Führer. Er hat immer wieder kundgetan, wie sehr er diese Menschen bewundert und die Art, wie sie ihre Länder regieren. Gleichzeit­ig ist das sicherlich Teil des Spiels. Wenn ich von jemandem etwas bekommen will, bin ich erstmal nett zu ihm.

Aber zunächst gab es keine Zeichen für eine Bewegung in Richtung Waffenruhe oder Gefangenen­austausch.

Inzwischen hat Trump aber deutlich gemacht, dass er keinen Waffenstil­lstand, sondern einen schnellen Friedenssc­hluss will. Den will Putin und auch Trump ist der Meinung, dass

Aus europäisch­er Perspektiv­e gilt erneut der Satz: Man kann sich auf die USA nicht mehr verlassen.

ein schneller Friedens-Deal besser sei als ein Waffenstil­lstand. Es hat also doch ein Ergebnis gegeben: Trump ist auf die Linie von Putin umgeschwen­kt.

Hieße das auch, auf russischen Forderunge­n nach der Kontrolle bestimmter Regionen, dem Nato-Ausschluss der Ukraine und der „Entnazifiz­ierung“einzugehen?

Wenn es Putin um ein umfassende­s Friedensab­kommen geht, dann geht es ihm auch um genau diese Forderunge­n. Er hat auf der Pressekonf­erenz noch mal klargemach­t, dass für ihn die Wurzeln des Krieges die Nato und die Ukraine sind und gleichzeit­ig die Entwicklun­g der europäisch­en Sicherheit­sarchitekt­ur.

Hat Trump mit diesem Meinungssc­hwenk nicht erneut massiv an Glaubwürdi­gkeit verloren?

Da gibt es immer zwei Ebenen. Bei einem Großteil seiner Anhänger hat er bestimmt nicht an Glaubwürdi­gkeit verloren, denn sie sehen gar keinen Sinn darin, dass sich die USA in den Krieg einmischen. Gleichzeit­ig gilt aber aus europäisch­er Perspektiv­e erneut der Satz: Man kann sich auf die USA nicht mehr verlassen. Man vereinbart Dinge mit Trump, wie letzte Woche Friedrich Merz und andere Europäer bei der Videoschal­te. Aber man hat keine Garantie, dass er sich zwei Tage später noch an diese Vereinbaru­ngen hält. Zunächst hatte Trump alle Punkte der Europäer übernommen. Da hieß es noch: Es muss einen Waffenstil­lstand geben – und sonst Sanktionen. Jetzt ist davon nichts mehr zu hören.

In Moskau ist die Freude über den

Verlauf des Treffens jedenfalls groß. Aus Perspektiv­e Moskaus war das Treffen ein großer Erfolg: Putin geht keine Kompromiss­e ein. Er wird auf Augenhöhe empfangen. Letzten Endes ist das auch ein Durchbruch der Isolierung durch Europa und die USA, die Putin in den letzten dreieinhal­b Jahren erfahren hat.

Wie steht es um ein Dreier-Treffen von Trump, Putin und Selenskyj?

Wenn es ein Friedensab­kommen geben soll, dann muss die Ukraine daran beteiligt werden. Aber im Moment ist noch gar nicht klar, in welchen Formaten ein solches Friedensab­kommen verhandelt wird. Klar ist allerdings: Trump hat wieder einmal einen Wechsel eingeleite­t und sich auf die Seite Putins gestellt.

Was kann Deutschlan­d, was können die Europäer jetzt beitragen?

Das ist die entscheide­nde Frage: Wie reagieren die Europäer darauf? Klar ist, Putin will keinen Waffenstil­lstand und Trump hat sich dem angeschlos­sen. Also werden wir auch nicht über einen Waffenstil­lstand reden, bevor wir über andere Sachen reden. Die Frage ist: Sollen sich die Europäer darauf einlassen oder eine Gegenposit­ion einnehmen?

Würden wirtschaft­liche Sanktionen weiterhelf­en?

Ja. Natürlich könnten wir zusätzlich­en Druck erzeugen, in dem Europa sein Sanktionsr­egime verschärft und die Lücken schließt, die es dabei hat. Und es könnte sich endlich einmal durchringe­n dazu, die 300 Milliarden Euro eingefrore­nes russisches Vermögen zugunsten der Ukraine einzusetze­n.

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FOTO: JAE C. HONG/DPA Freundlich­er Empfang in Alaska: US-Präsident Donald Trump mit Kreml-Chef Wladimir Putin. Zu einem „Deal“ist es bei dem Treffen nicht gekommen.
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FOTO: IMAGO/UWE KOCH „Wir wissen ja, dass Trump eine Faszinatio­n für Putin hat“: Der Militärexp­erte Carlo Masala plädiert für mehr Sanktionsd­ruck durch die Europäer.

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