Zahl der armen Rentner hat sich in Sachsen fast verdoppelt
Linke: Niedrige Ost-löhne führen zu geringen Renten. Ministerin verweist auf geplante neue Gesetze.
Die Zahl der sächsischen Rentner, welche die staatliche Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen, ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Das geht aus den Antworten der Staatsregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervor.
Ende 2024 gab es demnach bereits 19.745 Frauen und Männer, die im Rentenalter auf diese staatliche Hilfsleistung angewiesen sind. Fünf Jahre zuvor waren es noch 11.916 und vor zwanzig Jahren gab es sogar lediglich 6894 Betroffene.
Kritiker: Niedrigere Ost-löhne sorgen für geringere Renten
Susanne Schaper, Fraktionschefin und sozialpolitische Sprecherin der Linken, sieht vor allem in den nach wie vor niedrigeren ostdeutschen Löhnen und den damit verbundenen geringeren Renten einen wichtigen Grund für diesen Anstieg. Ihren Angaben nach erhält im Osten jede und jeder dritte Vollzeitbeschäftigte zurzeit weniger als 2750 Euro brutto im Monat – insgesamt 60 Prozent erhalten schließlich weniger als 3500 Euro.
„Die Altersarmut in Sachsen wächst immer weiter, es ist keine Entspannung in Sicht. Immer mehr ältere Menschen können die alltäglichen Ausgaben nicht mehr mit ihrer Rente decken, ein Café-besuch oder Geschenke für die Enkel werden zur finanziellen Herausforderung“, kritisiert Schaper.
Solche Sorgen und Armut dürften aber nicht der Lohn für ein langes Arbeitsleben sein. „Gerade wir im Osten, wo die Löhne im Vergleich immer noch niedriger sind, brauchen deshalb eine verlässliche gesetzliche Rentenversicherung.“
Auch in Sachsen könnten heute viel weniger Menschen als etwa in Westdeutschland ihre Alterseinkünfte mit einer Betriebsrente, einer Pension oder Mieteinnahmen aufbessern. Viele würden zudem hierzulande zusätzlich mit den hohen Wohnkosten kämpfen.
Lösen, so Schaper, könne man diese Probleme nur, wenn künftig alle Erwerbstätigen für ihre gesamten Einkünfte im Job und am Finanzmarkt Beiträge in den Rententopf entrichten müssten. „Die Beitragsbemessungsgrenze
Gerade wir im Osten, wo die Löhne im Vergleich immer noch niedriger sind, brauchen deshalb eine verlässliche gesetzliche Rentenversicherung.
Susanne Schaper, Fraktionschefin der Linken im Sächsischen Landtag
muss weg, damit hohe und höchste Einkommen nicht mehr beitragsfrei bleiben“, fordert die Politikerin.
Ministerin Köpping: Sachsen bald ältestes Bundesland
Sachsens Sozialministerium verweist darauf, dass ein Teil des Anstiegs auf die absolut zunehmende Zahl von Rentnern sowie auf Gesetzesänderungen zurückzuführen ist, die zu mehr Anspruchsberechtigten geführt haben. Dennoch ist auch Ministerin Petra Köpping (SPD) alarmiert. „Obwohl Sachsen derzeit eine geringere Armuts- und Gefährdungsquote im Vergleich zum Bundesdurchschnitt aufweist, insbesondere bei Seniorinnen und Senioren, dürfen wir das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen.“
Laut dem Sozialmonitor sei Sachsen ab 2030 das älteste Bundesland in Deutschland. „Vor diesem Hintergrund gewinnt die Bekämpfung der Altersarmut an Bedeutung, und wir müssen gezielte Maßnahmen ergreifen, um die Lebensqualität unserer älteren Menschen langfristig zu sichern.“
So würden die Kommunen heute schon mit einer Seniorenpauschale gefördert, um lokale Beratungsund Begegnungsangebote zu unterstützen. Dazu könnten sich Ältere über die Sozialämter der Landkreise und kreisfreien Städte zu Fragen der Sozialsicherung und Leistungen informieren. Ergänzend gebe es auch Unterstützung bei den Verbraucherzentralen sowie durch Schuldner- und Insolvenzberatungen.
Auch beim Problem Rente sei bereits gehandelt worden, so Köpping. „Auf Bundesebene wurden in den letzten Jahren zahlreiche Verbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung umgesetzt, wie die Einführung des Grundrentenzuschlags und die Verbesserungen im Rahmen der Anerkennung von Kindererziehungsleistungen für vor 1992 geborene Kinder.“
Mit aktuell geplanten Gesetzesvorhaben soll das Rentenniveau zudem längerfristig bei mindestens 48 Prozent stabilisiert, eine Gleichstellung der Kindererziehungszeiten vollzogen und die Beschäftigungsmöglichkeiten für Ältere verbessert werden.