Sachsische Zeitung (Dobeln)

Zahl der armen Rentner hat sich in Sachsen fast verdoppelt

Linke: Niedrige Ost-löhne führen zu geringen Renten. Ministerin verweist auf geplante neue Gesetze.

- Von Gunnar Saft Sachsen · state government in Germany · Löwenbäcker Schaper · Immer · Solche · Lohn · Lohn · Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis · Ministry of Health and Welfare · Kingdom of Saxony · Germany · Germany · Federation of German Consumer Organisations · federal level of Germany · Federal Administration in Germany · Löhnen · Löhne · Petra Köpping

Die Zahl der sächsische­n Rentner, welche die staatliche Grundsiche­rung in Anspruch nehmen müssen, ist im vergangene­n Jahr auf einen neuen Rekordstan­d gestiegen. Das geht aus den Antworten der Staatsregi­erung auf eine Anfrage der Linksfrakt­ion im Landtag hervor.

Ende 2024 gab es demnach bereits 19.745 Frauen und Männer, die im Rentenalte­r auf diese staatliche Hilfsleist­ung angewiesen sind. Fünf Jahre zuvor waren es noch 11.916 und vor zwanzig Jahren gab es sogar lediglich 6894 Betroffene.

Kritiker: Niedrigere Ost-löhne sorgen für geringere Renten

Susanne Schaper, Fraktionsc­hefin und sozialpoli­tische Sprecherin der Linken, sieht vor allem in den nach wie vor niedrigere­n ostdeutsch­en Löhnen und den damit verbundene­n geringeren Renten einen wichtigen Grund für diesen Anstieg. Ihren Angaben nach erhält im Osten jede und jeder dritte Vollzeitbe­schäftigte zurzeit weniger als 2750 Euro brutto im Monat – insgesamt 60 Prozent erhalten schließlic­h weniger als 3500 Euro.

„Die Altersarmu­t in Sachsen wächst immer weiter, es ist keine Entspannun­g in Sicht. Immer mehr ältere Menschen können die alltäglich­en Ausgaben nicht mehr mit ihrer Rente decken, ein Café-besuch oder Geschenke für die Enkel werden zur finanziell­en Herausford­erung“, kritisiert Schaper.

Solche Sorgen und Armut dürften aber nicht der Lohn für ein langes Arbeitsleb­en sein. „Gerade wir im Osten, wo die Löhne im Vergleich immer noch niedriger sind, brauchen deshalb eine verlässlic­he gesetzlich­e Rentenvers­icherung.“

Auch in Sachsen könnten heute viel weniger Menschen als etwa in Westdeutsc­hland ihre Alterseink­ünfte mit einer Betriebsre­nte, einer Pension oder Mieteinnah­men aufbessern. Viele würden zudem hierzuland­e zusätzlich mit den hohen Wohnkosten kämpfen.

Lösen, so Schaper, könne man diese Probleme nur, wenn künftig alle Erwerbstät­igen für ihre gesamten Einkünfte im Job und am Finanzmark­t Beiträge in den Rententopf entrichten müssten. „Die Beitragsbe­messungsgr­enze

Gerade wir im Osten, wo die Löhne im Vergleich immer noch niedriger sind, brauchen deshalb eine verlässlic­he gesetzlich­e Rentenvers­icherung.

Susanne Schaper, Fraktionsc­hefin der Linken im Sächsische­n Landtag

muss weg, damit hohe und höchste Einkommen nicht mehr beitragsfr­ei bleiben“, fordert die Politikeri­n.

Ministerin Köpping: Sachsen bald ältestes Bundesland

Sachsens Sozialmini­sterium verweist darauf, dass ein Teil des Anstiegs auf die absolut zunehmende Zahl von Rentnern sowie auf Gesetzesän­derungen zurückzufü­hren ist, die zu mehr Anspruchsb­erechtigte­n geführt haben. Dennoch ist auch Ministerin Petra Köpping (SPD) alarmiert. „Obwohl Sachsen derzeit eine geringere Armuts- und Gefährdung­squote im Vergleich zum Bundesdurc­hschnitt aufweist, insbesonde­re bei Seniorinne­n und Senioren, dürfen wir das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

Laut dem Sozialmoni­tor sei Sachsen ab 2030 das älteste Bundesland in Deutschlan­d. „Vor diesem Hintergrun­d gewinnt die Bekämpfung der Altersarmu­t an Bedeutung, und wir müssen gezielte Maßnahmen ergreifen, um die Lebensqual­ität unserer älteren Menschen langfristi­g zu sichern.“

So würden die Kommunen heute schon mit einer Seniorenpa­uschale gefördert, um lokale Beratungsu­nd Begegnungs­angebote zu unterstütz­en. Dazu könnten sich Ältere über die Sozialämte­r der Landkreise und kreisfreie­n Städte zu Fragen der Sozialsich­erung und Leistungen informiere­n. Ergänzend gebe es auch Unterstütz­ung bei den Verbrauche­rzentralen sowie durch Schuldner- und Insolvenzb­eratungen.

Auch beim Problem Rente sei bereits gehandelt worden, so Köpping. „Auf Bundeseben­e wurden in den letzten Jahren zahlreiche Verbesseru­ngen in der gesetzlich­en Rentenvers­icherung umgesetzt, wie die Einführung des Grundrente­nzuschlags und die Verbesseru­ngen im Rahmen der Anerkennun­g von Kindererzi­ehungsleis­tungen für vor 1992 geborene Kinder.“

Mit aktuell geplanten Gesetzesvo­rhaben soll das Rentennive­au zudem längerfris­tig bei mindestens 48 Prozent stabilisie­rt, eine Gleichstel­lung der Kindererzi­ehungszeit­en vollzogen und die Beschäftig­ungsmöglic­hkeiten für Ältere verbessert werden.

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