Sachsische Zeitung (Gorlitz & Niesky)

Eine Woche Gnadenfris­t für die EU

US-Präsident Donald Trump verschiebt die Einführung von Zöllen. Das soll mehr Zeit für Verhandlun­gen schaffen. Tatsächlic­h sind sehr viele Fragen noch ungeklärt.

- Von Sven Christian Schulz Business · Brexit · Finance · U.S. News · European Politics · Politics · British Politics · Social Sciences · European Union · Donald Trump · Donald · Trump family · Trump · Union · 1. FC Union Berlin · Union · August Night · Weiße · Haus Niedermatt · Länder · Afghanistan · Libya · Uganda · Zimbabwe · Schutz · United States of America · Amerika · United Kingdom · South Korea · Japan · Canada · Canada · Switzerland · Syria · Brazil · Brazil · European Parliament · Germany · Germany · European Commission · commission · Stahl · Europe · Europa · Bank · Fall · Ware · William Melville Ware · Lange · Lange · Haken · Japan · Bernd Lange · Bernd Lange · Bernd

US-Präsident Donald Trump hat die geplante Einführung von Zöllen auf Produkte aus der Europäisch­en Union nur wenige Stunden vor Inkrafttre­ten überrasche­nd um eine Woche verschoben. In einem Dekret legte er umfassende Zollregelu­ngen für die EU und zahlreiche weitere Handelspar­tner fest – allerdings mit neuem Starttermi­n: Statt wie geplant am 1. August, sollen die Zölle nun erst ab dem 7. August gelten. Laut US-Beamten will das Weiße Haus damit mehr Zeit für die Umsetzung der Maßnahmen gewinnen. Gleichzeit­ig feilen Vertreter der EU und der US-Administra­tion an weiteren Details des Deals.

Wen trifft Trumps Dekret?

Insgesamt 68 Länder sowie alle EUMitglied­sstaaten sind von der neuen Anordnung betroffen. Afghanista­n und Libyen bis Uganda und Zimbabwe – fast jedes Land bekommt seinen eigenen Zollsatz. Für Waren aus der EU gilt künftig ein Einfuhrzol­l von 15 Prozent. Länder, die nicht im US-Dekret aufgeführt sind, werden pauschal mit 10 Prozent belegt. Trump rechtferti­gt die Zölle mit dem Schutz der nationalen Sicherheit und beruft sich auf ein Notstandsg­esetz von 1977. Ob dies zulässig ist, prüfen derzeit Gerichte. Trump verkündete auf seiner Plattform Truth Social: „Zölle machen Amerika wieder GROß und REICH.“Viele Ökonomen sehen das anders und warnen, dass letztlich US-Verbrauche­r und Unternehme­n die Zeche zahlen dürften.

Wie schneidet die EU im Vergleich ab?

Obwohl die EU der größte Handelspar­tner der USA ist, landet sie bei den neuen Zollsätzen nur im Mittelfeld. Großbritan­nien kommt mit 10 Prozent glimpflich davon, Südkorea und Japan liegen wie die EU bei 15 Prozent. In Südostasie­n greifen sogar Zölle von bis zu 20 Prozent. Noch höher sind die Sätze für Länder ohne Abkommen, darunter Kanada (35 Prozent), die Schweiz (39 Prozent), Syrien (41 Prozent) und Brasilien (50 Prozent). Für Bernd Lange (SPD), Vorsitzend­er des Handelsaus­schusses im EU-Parlament, ist klar: „Diese Zollsätze sind politisch motiviert und haben nichts mit der seltsamen Formel zu tun, die Trump einst präsentier­t hat“, sagt er dem Redaktions­Netzwerk Deutschlan­d (RND).

Diese Zollsätze sind politisch motiviert und haben nichts mit der seltsamen Formel zu tun, die Trump einst präsentier­t hat.

Bernd Lange (SPD), Vorsitzend­er des Handelsaus­schusses im EU-Parlament

Was haben EU und USA vereinbart?

Die EU-Kommission hatte den USA ursprüngli­ch ein Null-gegen-NullAngebo­t unterbreit­et, also den vollständi­gen Abbau von Zöllen auf beiden Seiten. Trump hingegen drohte zwischenze­itlich mit 30 Prozent Strafzölle­n. Herausgeko­mmen ist ein mehr oder weniger Null-gegen15-Abkommen: Die EU verzichtet auf viele Zölle auf US-Produkte, etwa auf Autos, Käse, Nüsse und Tiernahrun­g, während die USA auf nahezu alle EU-Produkte 15 Prozent Zoll erheben.

Worüber wird noch verhandelt?

Die EU-Kommission hat nach eigenen Angaben viele Ausnahmen ausgehande­lt, die aber noch nicht rechtlich bindend sind. Besonders heikel: Für Stahl und Aluminium, die derzeit mit 50 Prozent Zöllen belegt werden, fehlen zollfreie Kontingent­e komplett in Trumps Dekret. Die aktuell geltenden 25-Prozent-Zölle auf Autos aus Europa hat Trump auch noch nicht zurückgeno­mmen. Und die Frage, ob Wein und Spirituose­n zollfrei bleiben, ist ebenfalls offen. Die USA nehmen mehr Geld mit Zöllen ein, wenn sie Ausnahmen erst einmal auf die lange Bank schieben. Dennoch haben sie ein Interesse daran, sich schnell auf die Details zu einigen. Denn sonst senkt die EU nicht ihre Zölle auf US-Autos.

Was bedeuten die Zölle für Deutschlan­d?

Deutsche Exportprod­ukte dürften durch den Zollaufsch­lag in den USA teurer und damit unattrakti­ver für den derzeit wichtigste­n Handelspar­tner werden. Finden Unternehme­n keine neuen Absatzmärk­te, müssen viele im schlimmste­n Fall die Produktion zurückfahr­en und Mitarbeite­r entlassen. Asiatische Länder könnten künftig mehr Ware nach Europa statt in die USA liefern. Das könnte die Preise bei manchen Produkten in Deutschlan­d nach unten treiben, würde aber europäisch­e Produzente­n unter Druck setzen.

Wie reagiert die Wirtschaft?

„Die großen Industrien, vor allem die Auto- und Maschinenb­auer, leiden unter den Zöllen“, sagt Handelspol­itiker Lange. Viele europäisch­e Unternehme­n haben in den letzten Monaten verstärkt Produkte in die USA exportiert, um noch vom niedrigere­n 10-Prozent-Zoll zu profitiere­n. Gleichzeit­ig planen zahlreiche Firmen, ihre Präsenz in den USA auszubauen.

Und was ist mit den milliarden­schweren Investitio­nen?

Der EU-USA-Deal umfasst auch einen gewaltigen Energie- und Investitio­nsplan: Für rund 750 Milliarden US-Dollar soll Europa während Trumps verbleiben­der Amtszeit Gas, Öl und Nuklearene­rgie aus den USA beziehen. Damit würde die EU praktisch nur noch von den USA Energie kaufen. Zudem hat die EUKommissi­on Investitio­nen in Höhe von etwa 600 Milliarden Dollar in den USA zugesagt. Doch hier liegt der Haken: Es liegt an den einzelnen Unternehme­n, ob diese Zusagen tatsächlic­h eingehalte­n werden. Die Kommission hat keine Handhabe. Was passiert, wenn Europa die Investitio­nsziele verfehlt, ist bisher völlig unklar.

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FOTO: DAMIAN DOVARGANES/AP/DPA Das Long Beach Container Terminal in Kalifornie­n: Auf Waren aus der EU wollen die USA 15 Prozent Zoll erheben, US-Waren sollen bei der Einfuhr in EU-Länder jedoch gar nicht mit Aufschläge­n belastet werden.
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FOTO: PHILIPP VON DITFURTH/DPA „Die großen Industrien, vor allem die Auto- und Maschinenb­auer, leiden unter den Zöllen“: Bernd Lange (SPD), Vorsitzend­er des Handelsaus­schusses im EUParlamen­t.

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