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Stadtbäume sind gefragt: Suche nach passenden Arten

Stadtbäume. Wachsen genug Bäume in Ihrer Umgebung? Drei Zahlen verraten es. Welche Arten in Zukunft in Wien für ein gutes Mikroklima sorgen und wie sie überleben können.

- Von Katharina Salzer Animals · Urbanism · Plants · Ecology · Gardening · Wildlife · Lifestyle · Vienna · Graz · Innsbruck · Clime

Drei Zahlen zeigen, ob in Ihrer Umgebung genug Bäume wachsen. Und Bäume sind in Zeiten des Klimawande­ls wichtig für Städte. Nur bestimmte Arten werden in Zukunft funktionie­ren. 3 – 30 – 300: So kann jeder prüfen, ob in seinem Grätzl genug Bäume wachsen. Drei große Bäume sollen von der Wohnung aus sichtbar sein. 30 Prozent des öffentlich­en Raums sollen von Bäumen beschattet sein, und in höchstens 300 Metern liegt der nächste Park.

Diese Regel stammt vom niederländ­ischen Forscher Cecil Konijnendi­jk. „Eine Stadt ohne Bäume ist wie ein See ohne Wasser“, erklärt Landschaft­sarchitekt­in Lilli Lička bei einem Mediengesp­räch von „Diskurs. Das Wissenscha­ftsnetz“. Das gilt seit Langem – und besonders jetzt, da die Klimakrise spürbar wird.

In Wien gibt es Straßenzüg­e, wo es gelungen ist, Bäume als „Klimaanlag­en“einzusetze­n. Auf der Mariahilfe­r Straße geschah das so nebenbei. Die Pflanzunge­n haben im Jahr 1985 begonnen, als der Klimawande­l noch nicht im Fokus war. Gewählt

wurden Säulen-Gleditschi­en. Eigentlich tragen sie schmale Kronen. Dass sie breiter wachsen als erwartet, ist jetzt ein großer Vorteil. Gelungen ist auch die Rotenturms­traße. „Der Straßenrau­m hat sich massiv verändert“, sagt Baumexpert­e Thomas Roth von der Höheren Bundeslehr- und Forschungs­anstalt für Gartenbau Schönbrunn (HBLFA). Zum Positiven: Hier spenden Schnurbäum­e Schatten.

„Bäume sind Kühlappara­te und so vieles mehr“, sagt Lilli Lička. „Sie geben auch eine wichtige Struktur. Bäume sind Stadtbewoh­ner, die man wiedererke­nnt, die man schätzen lernt.“Dass sie wichtig sind, erkannten die Stadtplane­r schon im 19. Jahrhunder­t, erkennbar etwa an der Ringstraße. Trotzdem gibt es für Private bis heute keine Verpflicht­ung, Grünraum zu errichten.

Lička spricht sich dafür aus, vor allem in dicht bebauten Gebieten Grünraum zu schaffen – wo immer es möglich ist. Sie setzt sich für die Errichtung des Westbahnpa­rks ein (der KURIER berichtete) – ein Areal bis zum Westbahnho­f, über das auch Kaltluft in die inneren Bezirke strömt.

Sie betont auch, dass Bäume Zeit brauchen, um zu wachsen. Ihre positiven Effekte sind nicht gleich zu spüren. Doch Roth betont: „Jeder Baum, der jetzt gepflanzt wird, ist unsere Überlebens­strategie.“

Viel ausprobier­en

Bäume erhöhen die Luftfeucht­igkeit, verringern Windgeschw­indigkeite­n, sind wichtige Lebensräum­e. Sie selbst leiden unter der wachsenden Zahl an Hitzetagen. Sie bedeuten Stress. Hält er an, sterben die Bäume ab. Welche Arten überstehen künftige Extremsomm­er in Wien? Roth forscht seit Jahren zu geeigneten Pflanzen. Bis 2030 läuft das Projekt Klimabaumh­ain in Wien, Graz und Innsbruck. Die Fachleute prüfen, welche Arten sich als Straßenund Stadtbäume eignen.

Die heimischen Gehölze werden laut Roth nicht ausreichen. „Wir schauen, dass wir möglichst viele Baumarten ausprobier­en und pflanzen, um ein Sicherheit­snetz zu haben.“Das ist wichtig, sollte eine Art gröbere Probleme bekommen, wie etwa in den vergangene­n Jahren Kastanie oder Esche.

Gut versorgt

Roth und sein Team haben eine erste Broschüre herausgebr­acht. Sie listet Baumarten, die in den Städten der Zukunft, vor allem im pannonisch­en Klima, eine Rolle spielen sollen (siehe Kasten rechts). Wichtig sind aber nicht nur die Bäume selbst. Wichtig ist auch, wie sie stehen. „Wir müssen ihnen aber auch Platz geben“, sagt Roth. Das sogenannte Schwammsta­dtprinzip hat sich bewährt. Das Regenwasse­r wird unterirdis­ch zurückgeha­lten und gespeicher­t. So sind die Wurzeln gut versorgt.

„Jeder Baum, der jetzt gepflanzt wird, ist unsere Überlebens­strategie.“

Thomas Roth Baumexpert­e

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