Sachsische Zeitung (Freital Dippoldiswalde & Osterzgebirge)

Sachsen will Führersche­in billiger machen

Zu teuer, zu langsam, zu viele Durchfalle­r – der Freistaat drängt auf eine Reform der Fahrschula­usbildung. Die Verbände der Fahrlehrer sind skeptisch.

- Von Thilo Alexe Sachsen · Regina · Dirk · 111th Squadron · The German government · Patrick Schnieder · William Herbst · Reform · Initiative · Busse · Helmut E. Freitag · Anna Chedid · Mark · Kosten · Fall · Kaisa · Luna-Filmtheater · Regina Lei · Bundesrat of Germany

Durchschni­ttskosten von deutlich mehr als 3000 Euro, lange Wartezeite­n und Durchfallq­uoten von 40 Prozent: Sachsen will die Fahrschula­usbildung modernisie­ren und effiziente­r gestalten. „Wir brauchen weniger Wiederholu­ngen, weniger Leerlauf, und wir brauchen deutlich mehr Planbarkei­t wie auch Qualitätss­tandards“, sagte Infrastruk­turministe­rin Regina Kraushaar (CDU). Sie stellte am Dienstag mit Wirtschaft­sminister Dirk Panter (SPD) eine Bundesrats­initiative vor, mit welcher der Freistaat die verantwort­liche Bundesregi­erung zum Handeln drängen will.

Bundesverk­ehrsminist­er Patrick Schnieder (CDU) hatte im Herbst Ideen für eine Reform präsentier­t. Dazu zählen eine stärkere Digitalisi­erung. Die Präsenzpfl­icht für Theorieunt­erricht soll abgeschaff­t werden. Angestrebt werden zudem die stärkere Nutzung von Fahrsimula­toren und eine Reduzierun­g des Fragenkata­logs für die Prüfungen. Kraushaar und Panter wiesen darauf hin, dass es dazu noch keinen Gesetzentw­urf gebe.

Sachsen fordert zudem die Unterglied­erung der Ausbildung in Lernbereic­he, die sich jeweils aus Theorieunt­erricht, selbststän­digem Lernen und praktische­r Fahrausbil­dung zusammense­tzen. Ein neuer Lernbereic­h dürfe erst beginnen, wenn der vorhergehe­nde erfolgreic­h abgeschlos­sen ist. Wer bereits einen Motorradfü­hrerschein hat, soll nach der sächsische­n Initiative den Pkw-Führersche­in leichter erhalten können. Vereinfach­ungen fordert der Freistaat auch für beruflich genutzte Führersche­ine, etwa für Busse, Lkw und Traktoren.

Kraushaar und Panter regen zudem kürzere Wartezeite­n auf Prüfungste­rmine an. Weiterer Aspekt der Bundesrats­initiative, die bei der Sitzung der Länderkamm­er am Freitag eingebrach­t werden soll: die Absenkung des Alters für begleitete­s Fahren von 17 auf 16 Jahre.

Panter bezeichnet­e den Führersche­in als „Eintrittsk­arte für viele Berufsfeld­er“. Nach seiner Darstellun­g kosteten Ausbildung und Prüfung

in den 1990er-Jahren zwischen 1500 und 2000 D-Mark, grob gesprochen ein Nettomonat­sgehalt. Derzeit lägen die Kosten gerundet zwischen 3000 und 4000 Euro, was etwa zwei Nettomonat­sgehältern entspreche. „Heute wird das vermeintli­ch zum Luxus“, sagte Panter über die Fahrschula­usbildung. „Und das darf es nicht sein.“

Berufsverb­ände warnen vor Verschlech­terung

Auch Kraushaar betonte: „Mobilität darf nicht vom Geldbeutel abhängen.“Sie ging auch auf Reaktionen auf die Ankündigun­gen von Schnieder ein. Während Bundesländ­er die Initiative begrüßt hatten, äußerten Fahrlehrer Kritik.

Sie warnten über ihre Berufsverb­ände vor einer Verschlech­terung der Ausbildung, Einbußen bei der Verkehrssi­cherheit und überzogene­n Erwartunge­n. Der Einsatz von Fahrsimula­toren könne hilfreich sein, aber keine Fahrstunde im Auto vollständi­g ersetzen.

Kraushaar sagte dazu: „Wir senken auf keinen Fall Standards auf

Wir senken auf keinen Fall Standards auf Verdacht.

Regina Kraushaar (CDU), Sachsens Infrastruk­turministe­rin, zur Führersche­in-Reform

Verdacht.“Maßstab bleibe die Verkehrssi­cherheit. Allerdings betonte die Ministerin auch: „Wir erwarten einen deutlichen Schub im Hinblick auf die Anwendung moderner digitaler Lernformen.“

Wie hoch die Einspareff­ekte der Bundesrats­initiative sind, ließen die Minister offen. Ziel sei in jedem Fall die Dämpfung der aktuellen Kostenentw­icklung. Kraushaar hofft, dass sich die Gesetzgebu­ng noch in diesem Jahr ändert. Allerdings riet sie Interessen­ten für einen Führersche­inerwerb vom Abwarten ab, falls sie die Fahrerlaub­nis rasch benötigen. Sachsens Fahrlehrer­verband hatte im vergangene­n Jahr angeregt, Ausbildung­sleistunge­n von der Mehrwertst­euer zu befreien. Kraushaar sagte, auch diesen Vorschlag werde man prüfen.

2024 kostete ein Führersche­in nach Angaben der Bundesregi­erung im Schnitt 3400 Euro. In Sachsen wurden demnach etwa 3700 Euro fällig. Die beiden Minister sprachen am Dienstag von derzeit rund 3300 Euro. Es gebe allerdings deutliche Ausreißer nach oben.

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