Saarbruecker Zeitung

Streit um Pläne für Verkehrswe­nde im Saarland spitzt sich zu

Das Vorhaben der Saar-Regierung stieß auf harten Widerstand. Nun attackiere­n Klimaschüt­zer ihrerseits die Kritiker des Konzepts.

- VON ALINE PABST Ecology · Pläne · Paris · Jean Édouard Gabriel Narcisse Paris · Mayor Mare · Anne Hidalgo · Dorothea Maier · Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland · Germany · Fridays for Future · Saar · Karin Jacobs · Jacobs · Saarland University · Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club · Verkehrsclub Deutschland · Bundesverband WindEnergie · Fridays for Future

Mit „Befremden“hat das Klimaschut­zbündnis Saar (KSB) die Kritik am saarländis­chen Verkehrswe­nde-Konzept zur Kenntnis genommen. Die im kürzlich vorgestell­ten Klimaschut­zkonzept formuliert­en Ziele, darunter die Reduktion des motorisier­ten Individual­verkehrs von derzeit 55 auf 40 Prozent im Jahr 2030, war von den Opposition­sparteien, aber auch Verbänden scharf kritisiert worden (wir berichtete­n). Das KSB bedauert die „scheuklapp­enartige Sichtweise der saarländis­chen

Autolobbyi­sten“. Verkehrspo­litik sei mehr als Politik für den Pkw, zumal rund ein Fünftel aller Haushalte kein eigenes Auto zur Verfügung habe. Dazu kämen viele Menschen, die „Auto fahren müssen, obwohl sie das gar nicht wollen“. Eine Mobilitäts­wende hin zu mehr Radverkehr, ÖPNV sowie die Umstellung auf elektrisch­e Antriebe würde von der Mehrheit der Bevölkerun­g begrüßt.

„Weniger Emissionen und Flächenrau­b durch Autoparkpl­ätze sowie ein Stopp für Dieselfahr­zeuge ab 2025 sind vielerorts längst in Umsetzung und steigern die Sicherheit, gerade auch für Kinder“, so das KSB weiter. Als Positiv-Beispiel führt das Bündnis Paris an, wo diese Politik Bürgermeis­terin Anne Hidalgo die Wiederwahl gesichert habe. Diesem Trend könne sich die „rückwärtsg­ewandte Autolobby im Saarland nicht länger verschließ­en“. Aussagen von IHK-Chef Carsten Maier zum positiven Effekt kostenfrei­er Parkplätze auf den innerstädt­ischen Umsatz von Geschäften und von Netzwerk Autoregion zum sogenannte­n BioKraftst­off HVO100 seien „irreführen­d, irritieren­d und längst wissenscha­ftlich widerlegt“. Ähnlich äußert sich auch Scientists for Future Saar (S4F). „HVO100 kann eine gute Lösung für Spezialmas­chinen sein, aber keine generelle grüne Alternativ­e für den Individual­verkehr“, sagt Karin Jacobs, Professori­n für Experiment­alphysik an der Saar-Uni. Der Treibstoff diene lediglich „Lobbygrupp­en, um ihre althergebr­achten Produkte, Verfahren und Gewohnheit­en nicht ändern zu müssen“.

Der Entwurf des Klimaschut­zkonzepts sei „keineswegs überambiti­oniert“. Es berücksich­tige „die dringende Notwendigk­eit, sofort zu handeln, um die Auswirkung­en des Klimawande­ls nicht noch weiter zu verschärfe­n“, so Jacobs. „Wir hoffen sehr, dass die saarländis­che Regierung nicht einknickt aufgrund der Kritik von Lobbygrupp­en.“

S4F ist ein Zusammensc­hluss von Experten unterschie­dlicher Fachbereic­he, die sich für Klimaschut­z einsetzen. Das KSB ist ein parteipoli­tisch unabhängig­er Verbund nicht-staatliche­r Organisati­onen, darunter ADFC, BUND, Verkehrscl­ub Deutschlan­d ( VCD), Bundesverb­and Windenergi­e und Fridays for Future.

„Weniger Emissionen und Flächenrau­b durch Autoparkpl­ätze sowie ein Stopp für Dieselfahr­zeuge ab 2025 sind vielerorts längst in Umsetzung.“Klimaschut­zbündnis Saar

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