Sachsische Zeitung (Freital Dippoldiswalde & Osterzgebirge)
Minister sieht Erfolg im Kampf gegen Ausfall an Sachsens Schulen
Kultusminister Clemens verkündet, dass es erstmals seit Jahren in Sachsen weniger Unterrichtsausfall gibt. Doch von Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrergewerkschaften kommt wenig Euphorie.
Im Kampf gegen den Stundenausfall an sächsischen Schulen sieht Kultusminister Conrad Clemens deutliche Fortschritte. „Die Richtung stimmt. Zum ersten Mal seit zehn Jahren sinkt der Unterrichtsausfall“, sagte der CDUPolitiker am Dienstag in Dresden und verwies auf die neue Statistik zum Unterrichtsausfall.
Demnach sank im ersten Schulhalbjahr vor allem der planmäßige Stundenausfall wegen Personalmangels um fast 11 Prozent. An den besonders betroffenen Oberschulen mussten ein Viertel weniger Unterrichtsstunden von vorn herein gestrichen werden. Auf alle Schulen bezogen lag der geplante Ausfall in der ersten Hälfte dieses Schuljahres bei 3,3 Prozent und damit leicht unter dem Vorjahreswert (3,7 Prozent).
Für den Kultusminister ist die Ausfallstatistik ein wichtiger politischer Gradmesser: Clemens hatte kurz nach Amtsantritt zahlreiche, oft auch umstrittene, Maßnahmen ergriffen, um den Personalmangel zu mindern. Unter Vertreterinnen und Vertretern von Eltern, Lehrkräften und Schülern herrscht jedoch Skepsis, ob die aktuelle Statistik tatsächlich
Zum ersten Mal seit zehn Jahren sinkt der Unterrichtsausfall.“Conrad Clemens, Kultusminister von Sachsen
eine Verbesserung in der Praxis belegt. Nimmt man den täglichen außerplanmäßigen Ausfall wegen Krankheit, Streiks oder anderer Verpflichtungen dazu, fällt weiter jede elfte Stunde an Sachsens Schulen aus (9,1 Prozent). Das ist etwas weniger als im Vorjahreszeitraum, liegt aber weiter über dem Niveau von vor zwei Jahren (8,8 Prozent). „Es ist nicht falsch zu sagen, wir gehören zu den Bundesländern, die am meisten Probleme mit Unterrichtsausfall haben“, räumt Clemens ein. Neun Prozent Ausfall seien viel zu viel.
Dennoch sieht sich der Kultusminister in seinem Kurs bestätigt. Es gebe weniger Ausfall, bei weiterhin steigenden Schülerzahlen. Trotz anhaltenden Unmuts der Lehrerschaft kündigt er an: „Wir wollen das Maßnahmenpaket so beibehalten.“
Das Maßnahmenpaket soll vor allem ausgleichen, dass der Lehrermangel nicht überall gleich ausgeprägt ist: In Ostsachsen sowie Teilen des Erzgebirges ist die Personaldecke dünner als in den Großstädten. Zudem ist die Situation an Grundschulen und Gymnasien tendenziell komfortabler als an Ober- und Förderschulen. Dem sollen die laufenden Maßnahmen begegnen. Hauptinstrument: Mehr als 5000 Abordnungen von Gymnasien und Grund
schulen an Oberschulen habe es gegeben, rechnet der Kultusminister vor.
Die Vorsitzende des Landesschülerrates, Lina Zeeh, spricht von „Symptombekämpfung“. Es werde sich „über die guten Zahlen gefreut, während an den Schulen immer noch zu wenig ankommt“. Michael Jung, Chef des sächsischen Lehrerverbandes (SLV) sagt, als Ausfall zähle nur, was ersatzlos wegfalle. Aufgeteilte oder zusammengelegte Klassen gingen genauso wenig ein wie fachfremder Unterricht.
Eine Kritik, die der Lehrerverband mit der Bildungsgewerkschaft GEW teilt: Vor allem an den Grundschulen stieg der Anteil der Stunden, die planmäßig gestrichen wurden von 0,9 auf 1,4 Prozent. Die GEW spricht von einer „Umverteilung des Mangels“.
Und der Kultusminister räumt ein: Der höhere Ausfall an Grundschulen ist eine Folge davon, dass mehr Lehrerinnen und Lehrer an die Oberschule abgeordnet werden. Ob die Abordnungen im großen Stil wirklich eine gute Idee sind, fragt sich auch der Chef des Landeselternrates, Ronald Lindecke. Die Aussage, dass Bildung in Sachsen eine Frage der Postleitzahl sei, bleibe damit trotz aller Bemühungen leider bestehen. Ein Beispiel, das das belegt: An Oberschulen im Landkreis Leipzig fielen im ersten Halbjahr 2,1 Prozent aller Stunden planmäßig aus, im Kreis Görlitz fast fünfmal so viele (9,8 Prozent).