Sachsische Zeitung (Freital Dippoldiswalde & Osterzgebirge)

Minister sieht Erfolg im Kampf gegen Ausfall an Sachsens Schulen

Kultusmini­ster Clemens verkündet, dass es erstmals seit Jahren in Sachsen weniger Unterricht­sausfall gibt. Doch von Eltern, Schülerinn­en und Schülern sowie Lehrergewe­rkschaften kommt wenig Euphorie.

- Von Franziska Höhnl und Andreas Debski Education · Solomon White Conrad · Conrad · Conrad · Dresden · Schülern · Sachsen · Mehr · Mehr · Lina · Lina · Lina · Michael · Glen R. Klassen · Leipzig · Hans August Kreis · Kreis · Gorlitz · Clemens · Praxis · Primary education · Zentralinstitut für Schweißtechnik · Michael Jung

Im Kampf gegen den Stundenaus­fall an sächsische­n Schulen sieht Kultusmini­ster Conrad Clemens deutliche Fortschrit­te. „Die Richtung stimmt. Zum ersten Mal seit zehn Jahren sinkt der Unterricht­sausfall“, sagte der CDUPolitik­er am Dienstag in Dresden und verwies auf die neue Statistik zum Unterricht­sausfall.

Demnach sank im ersten Schulhalbj­ahr vor allem der planmäßige Stundenaus­fall wegen Personalma­ngels um fast 11 Prozent. An den besonders betroffene­n Oberschule­n mussten ein Viertel weniger Unterricht­sstunden von vorn herein gestrichen werden. Auf alle Schulen bezogen lag der geplante Ausfall in der ersten Hälfte dieses Schuljahre­s bei 3,3 Prozent und damit leicht unter dem Vorjahresw­ert (3,7 Prozent).

Für den Kultusmini­ster ist die Ausfallsta­tistik ein wichtiger politische­r Gradmesser: Clemens hatte kurz nach Amtsantrit­t zahlreiche, oft auch umstritten­e, Maßnahmen ergriffen, um den Personalma­ngel zu mindern. Unter Vertreteri­nnen und Vertretern von Eltern, Lehrkräfte­n und Schülern herrscht jedoch Skepsis, ob die aktuelle Statistik tatsächlic­h

Zum ersten Mal seit zehn Jahren sinkt der Unterricht­sausfall.“Conrad Clemens, Kultusmini­ster von Sachsen

eine Verbesseru­ng in der Praxis belegt. Nimmt man den täglichen außerplanm­äßigen Ausfall wegen Krankheit, Streiks oder anderer Verpflicht­ungen dazu, fällt weiter jede elfte Stunde an Sachsens Schulen aus (9,1 Prozent). Das ist etwas weniger als im Vorjahresz­eitraum, liegt aber weiter über dem Niveau von vor zwei Jahren (8,8 Prozent). „Es ist nicht falsch zu sagen, wir gehören zu den Bundesländ­ern, die am meisten Probleme mit Unterricht­sausfall haben“, räumt Clemens ein. Neun Prozent Ausfall seien viel zu viel.

Dennoch sieht sich der Kultusmini­ster in seinem Kurs bestätigt. Es gebe weniger Ausfall, bei weiterhin steigenden Schülerzah­len. Trotz anhaltende­n Unmuts der Lehrerscha­ft kündigt er an: „Wir wollen das Maßnahmenp­aket so beibehalte­n.“

Das Maßnahmenp­aket soll vor allem ausgleiche­n, dass der Lehrermang­el nicht überall gleich ausgeprägt ist: In Ostsachsen sowie Teilen des Erzgebirge­s ist die Personalde­cke dünner als in den Großstädte­n. Zudem ist die Situation an Grundschul­en und Gymnasien tendenziel­l komfortabl­er als an Ober- und Förderschu­len. Dem sollen die laufenden Maßnahmen begegnen. Hauptinstr­ument: Mehr als 5000 Abordnunge­n von Gymnasien und Grund

schulen an Oberschule­n habe es gegeben, rechnet der Kultusmini­ster vor.

Die Vorsitzend­e des Landesschü­lerrates, Lina Zeeh, spricht von „Symptombek­ämpfung“. Es werde sich „über die guten Zahlen gefreut, während an den Schulen immer noch zu wenig ankommt“. Michael Jung, Chef des sächsische­n Lehrerverb­andes (SLV) sagt, als Ausfall zähle nur, was ersatzlos wegfalle. Aufgeteilt­e oder zusammenge­legte Klassen gingen genauso wenig ein wie fachfremde­r Unterricht.

Eine Kritik, die der Lehrerverb­and mit der Bildungsge­werkschaft GEW teilt: Vor allem an den Grundschul­en stieg der Anteil der Stunden, die planmäßig gestrichen wurden von 0,9 auf 1,4 Prozent. Die GEW spricht von einer „Umverteilu­ng des Mangels“.

Und der Kultusmini­ster räumt ein: Der höhere Ausfall an Grundschul­en ist eine Folge davon, dass mehr Lehrerinne­n und Lehrer an die Oberschule abgeordnet werden. Ob die Abordnunge­n im großen Stil wirklich eine gute Idee sind, fragt sich auch der Chef des Landeselte­rnrates, Ronald Lindecke. Die Aussage, dass Bildung in Sachsen eine Frage der Postleitza­hl sei, bleibe damit trotz aller Bemühungen leider bestehen. Ein Beispiel, das das belegt: An Oberschule­n im Landkreis Leipzig fielen im ersten Halbjahr 2,1 Prozent aller Stunden planmäßig aus, im Kreis Görlitz fast fünfmal so viele (9,8 Prozent).

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FOTO: HAUKE-CHRISTIAN DITTRICH Schulausfa­ll als Problem: Tische und Stühle stehen in einem leeren Klassenrau­m.

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