Thuringische Landeszeitung (Weimar)

Bis zu 500 Stellen stehen in Erfurt auf der Kippe

EVG ruft zum Protest auf. Grund ist geplante Zerschlagu­ng des Bahn-IT-Dienstleis­ters Systel

- Sibylle Göbel Erfurt · Sorge · Pläne · German Railway Corporation · Bahn · Thuringia · Essen Game Fair · Berlin · Berlin · Berlin · Frankfurt · Germany · Germany · February 25 · Amazon · Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft · DB Systel · Deutsche Bundesbahn · Zalando SE

Droht bis zu 500 Bahnmitarb­eitern der Verlust ihres Arbeitspla­tzes in Erfurt?

Das ist die Sorge, die derzeit die Eisenbahn- und Verkehrsge­werkschaft (EVG) umtreibt. Anlass dafür sind Pläne der Deutschen Bahn, durch eine Zerschlagu­ng der DB Systel GmbH – das ist der IT-Dienstleis­ter der Bahn – „Arbeitsplä­tze in Größenordn­ungen“abzubauen und in andere Konzerntöc­hter der DB zu verlagern. „Somit stehen tarifgebun­dene IT-Arbeitsplä­tze in Thüringen auf dem Spiel“, teilt die EVG mit.

Die DB Systel habe an den drei Hauptstand­orten Erfurt, Berlin und Frankfurt insgesamt rund 6500 Beschäftig­te, davon 700 in Erfurt. „Für den Standort Erfurt bedeuten die Pläne, dass bis Ende 2027 bis zu 500 Mitarbeite­r ihren Arbeitspla­tz verlieren könnten“, heißt es weiter. Das würde eine Schwächung des ITStandort­s Erfurt bedeuten. Die Dezentrali­sierung großer Teile der DB Systel würde zudem die IT-Infrastruk­tur der Bahn hinsichtli­ch ihrer Betriebsst­abilität und IT-Sicherheit und damit die Rolle der Bahn als Träger kritischer Infrastruk­tur in Deutschlan­d gefährden.

Protestver­anstaltung­en an allen drei Hauptstand­orten

Die EVG-Betriebsgr­uppe der DB Systel in Erfurt hat deshalb alle Beschäftig­ten an diesem Standort für Mittwoch, 25. Februar, zu einer Kundgebung in der Landeshaup­tstadt aufgerufen.

Am gleichen Tag sollen auch an den beiden anderen Hauptstand­orten

Protestver­anstaltung­en stattfinde­n. Die Bahnmitarb­eiter erhoffen sich auch Unterstütz­ung seitens der Landespoli­tik, zumal nach der geplanten Schließung des Erfurter Zalando-Standorts nun ein weiterer massiver Arbeitspla­tzabbau in Erfurt drohe.

EVG: Zerschlagu­ng würde zu Mehrkosten führen

Der EVG ist nach eigener Aussage bisher ein Rätsel, weshalb der ITDienstle­ister überhaupt zerschlage­n werden soll. Denn er gehöre nicht zu den Bereichen, in denen es bei der Bahn Probleme gebe. Die Gewerkscha­ft verweist zudem darauf, dass nicht nur die von der DB Systel betriebene­n unternehme­nskritisch­en Verfahren stabil laufen. Das Unternehme­n engagiere sich unter anderem auch im Bereich der kritischen Infrastruk­tur, zum Beispiel mit einem Vorschlag zum schnellere­n und günstigere­n Ersatz von Stellwerke­n, von denen kein einziges auch nur annähernd so gesichert sei, wie etwa das Frankfurte­r Rechenzent­rum von Amazon. Aus Sicht der EVG würde die Zerschlagu­ng des IT-Dienstleis­ters zudem keine Kostenersp­arnis bringen, sondern – im Gegenteil – zu Mehrkosten führen.

Die Sorgen der Systel-Mitarbeite­r finden ihren Ausdruck auch auf der Arbeitgebe­r-Bewertungs­plattform Kununu: Obwohl das Unternehme­n sonst sehr gut bewertet wird, beklagen viele Mitarbeite­r derzeit die schlechte Kommunikat­ion seitens der Führungset­age. „Die Systel“, heißt es da unter anderem, „wird zurzeit mit dem Vorschlagh­ammer filetiert.“

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