Sachsische Zeitung (Freital Dippoldiswalde & Osterzgebirge)

Erster Landkreis in Sachsen mit über 150 Millionen Euro Schulden

Nordsachse­n fehlt selbst für Pflichtauf­gaben das Geld. Auch der Kreis Görlitz ist stark unter Druck.

- Von Gunnar Saft Kingdom of Saxony · Dresden · Hans August Kreis · Federal Administration in Germany · Gorlitz · Kreis · Stephan Meyer · Meyer von Schauensee · the Culture · state government in Germany · Leipzig · Michael Kretschmer · Michael · Alternative for Germany · commission · Emanuel · Christian Friedrich Stephan · Manfred K. Meyer · Deutscher Landkreistag · Chemnitz

Dresden. Die Finanzkris­e der sächsische­n Städte und Landkreise hat eine neue Dimension erreicht: Am Mittwochab­end beschloss der Kreistag von Nordsachse­n, nächstes Jahr bis zu 165 Millionen Euro an Krediten aufzunehme­n, um künftig noch die Ausgaben des Landkreise­s bestreiten zu können. Es ist das erste Mal, dass bei einer solchen Kreditermä­chtigung die 100-Millionen-Euro-Marke überschrit­ten wird.

Der Kreis Nordsachse­n steckt bereits seit 2021 in akuten Schwierigk­eiten. In den kommenden zwei Jahren wird es nun keinen ordnungsge­mäßen Haushalt geben. Für 2026 steht sogar eine noch höhere Verschuldu­ng im Raum. Landrat Kai Emanuel macht für das wachsende Kassendefi­zit vor allem die stete Übertragun­g von Aufgaben durch den Bund und den Freistaat verantwort­lich, für die es im Gegenzug jedoch viel zu geringe Zuschüsse gibt. „Uns bleibt keine andere Wahl. Die Pflichtaus­gaben steigen immer weiter, und alle anderen Finanzieru­ngsmöglich­keiten sind ausgereizt. Es gibt nur eine Lösung: Wer bestellt, muss auch bezahlen.“

Aus dem gleichen Grund geraten auch die anderen neun sächsische­n Landkreise immer stärker unter Druck – dabei besonders der Landkreis Görlitz. Ein Gutachten bestätigt jetzt, dass der Kreis selbst dann mit einem jährlichen Haushaltsm­inus von 60 Millionen Euro rechnen muss, wenn er nahezu alle Ausgaben für freiwillig­e Leistungen streichen würde. Ohne eine solche radikale Kürzung wird für das Jahr 2028 ebenfalls ein Haushaltsd­efizit von mehr als 100 Millionen Euro prognostiz­iert. Der Görlitzer

Landrat Stephan Meyer (CDU) sieht die vorgelegte­n Konsolidie­rungsvorsc­hläge kritisch und warnt, diese würden voraussich­tlich auch nicht vom Kreistag mitgetrage­n. „Eine vollständi­ge Umsetzung des Gutachtens bedeutet einen Kahlschlag von wichtigen Aufgaben in unserem Landkreis im Bereich Kultur, Sportförde­rung, Kinder und Jugend und ÖPNV.“Meyer drängt vielmehr darauf, dass den Kommunen die enormen Mehrausgab­en vor allem für die Leistungsg­esetze des Bundes und die damit verbundene­n teureren Standards des Freistaate­s endlich adäquat ausgeglich­en werden. „Passiert das nicht, ist die gesamtstaa­tliche Leistungsf­ähigkeit gefährdet.“

Der Sächsische Landkreist­ag fordert von der Staatsregi­erung inzwischen mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich und 300 Millionen Euro für die kreisfreie­n Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz. Bei einem Krisentref­fen vor wenigen Tagen räumte Ministerpr­äsident Michael Kretschmer (CDU) zwar einen zusätzlich­en Finanzbeda­rf der Kommunen ein. Unklar ist aber, ob der Freistaat die höheren Zuschüsse angesichts eines eigenen Vier-Milliarden-Euro-Defzits im neuen Doppelhaus­halt 2025/2026 überhaupt leisten kann.

Die AfD hat deshalb nun im Landtag eine Enquete-Kommission beantragt. Sie soll nach Lösungen zur Behebung der kommunalen Notlage suchen, heißt es. Die Linksfrakt­ion forderte Sachsens Finanzmini­ster auf, umgehend eine Verordnung über eine vorläufige Haushaltsf­ührung zu erlassen. Darin müsse auch geregelt werden, dass die Städte und Landkreise 2025 genügend Geld zur Finanzieru­ng ihrer Aufgaben erhalten und weitere Kürzungen ausbleiben.

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Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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